Wie funktioniert Vergessen?

Wie funktioniert Vergessen?

Aha! Zehn Minuten Alltags-Wissen

C1June 9, 202613 min
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Wissenschaft einfach erklärt Ihr seid vergesslich? Keine Panik. Vergessen ist eine echte Superpower unseres Gehirns, ein eingebauter Spamfilter, der zwischen Unwichtigem und Wichtigem filtert. Wie Vergessen funktioniert und was darüber entscheidet, ob wir uns etwas merken oder nicht, darum geht es in dieser Folge von "Aha! Zehn Minuten Alltagswissen". Zu Gast ist der Neurobiologe Prof. Martin Korte von der TU Braunschweig. Im zweiten Teil geht es um den IKEA-Effekt: nämlich darum, warum wir selbst aufgebaute oder selbstgemachte Möbel mehr wertschätzen als fertige Produkte. Hier geht es zu den Studien zum IKEA...

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Ich würde schon von mir behaupten, vergesslich zu sein. Namen sind also eine Sache, kam hat sich jemand bei mir vorgestellt, habe ich den Namen auch schon wieder vergessen. Genauso vergesse ich manchmal, wo ich mein Rad abgestellt habe. Falls es euch aber auch so geht, habe ich gute Neuigkeiten.

Vergessen ist extrem wichtig, denn ohne vergessen gibt es auch keine Innen. Wie vergessen funktioniert und was darüber entscheidet, ob ich mir etwas merke oder nicht, das schauen wir uns in dieser Folge an. Und danach geht es um ein psychologisches Phänomen.

Den sogenannten Ikea-Effekt. Nämlich darum, warum wir selbst aufgebaute oder selbstgemachte Möbel mehr Wert schätzen als fertige Produkte. Ich bin Sophia Hegelzberger, herzlich willkommen bei Aha.

Aha! 10 Minuten Alltagswissen. Ein Podcast von Welt. Stell dir vor, unser Gehirn würde jede Wahrnehmung, jede Begegnung, jeden Satz

und jedes Detail dauerhaft abspeichern. Schon nach einem einzigen Tag käme da eine riesige Menge an Eindrücken zusammen. Bildlich gesprochen würde unser Gedächtnis also schnell überquellen. Wie gut, dass wir einen vorprogrammierten Spam-Filter haben.

Vergessen. Vergessen hilft uns nämlich, Wichtiges von unwichtigem zu zähnen. Wie das aber genau abläuft und ob Vergessen es wirklich unwiederbringlich gelöscht ist, das will ich jetzt mit Professor Martin Korte besprechen.

Er forst am Institut für Zell und Neurobiologie an der TU Braunschweig. Herzlich willkommen, Herr Prof. Korte. Ja, wunderschönen guten Tag. Herr Korte, es ist ja so, dass wir vergessen eher als näherfähig

oder auch irgendwie als Fehler uns das Gehirnsinterpretieren. Warum ist aber vergessen wichtig? Zum einen muss man natürlich zugeben, dass es auch ein Fehler beinhalten kann.

Wir vergessen Dinge für Arbeit, wir vergessen Termine, wir vergessen, den Herd auszustellen. Aber es ist im Alltag extrem wichtig und es ist auch wichtig, für das generelle Funktionieren unseres Gedächtnis ist.

In unser Gedächtnis funktioniert nur, wenn es selektiv Informationen abspeichert, weil wir am Sonnsten in einem Meer an Müllinformationen ertrinken würden. Wir müssen dadurch Wichtiges von unwichtigem unterscheiden. Handlungsfähig bleiben, vor allen Dingen muss das Gehirn nicht nur die Abspeicherung,

sondern auch den Abruf bedenken. Und wenn wir alles, was wir im Laufe eines Tages erleben, abspeichern würden, würden wir die wichtigen Informationen schwierig finden. Wir müssen Autofahren, Radfahren, spazieren, laufen, Sport treiben können.

Und auf all das kann das Gehirn sich nur schnell einstellen, wenn wir Wichtiges von Unwichtigen trennen und das Unwichtige ist eben gleich vergessen. Und auch das konkrete Innen funktioniert eigentlich besser mit vergessen. Richtig, was setzt denn damit auf sich?

Es funktioniert besser, weil wir dann präziser die Dinge benennen können, die in einem konkreten Kontext von Bedeutung sind und alles andere eben vergessen. Oder man kann auch mal eine andere Situation nehmen, wenn wir das Auto fahren. Wir fahren hier in Deutschland auf der rechten Seite.

Wenn man in England fährt, muss man die Seite wechseln, muss man auf die linke Seite und muss im Grunde für eine Zeit vergessen, wie das Fahren auf der rechten Seite eben gewesen ist. möglichst effektiv schnell und zuverlässig reagieren zu können in einer neuen Verkehrssituation mit neuen Regeln, beunterdrückt das Gehirn regelrecht die alten Erinnerungen an die alte

Fahrweise. Ja spannend. Und wie funktioniert das vergessen konkret? Ich habe mich gefragt, löschen wir Inhalte, teils auch unwiederruflich oder ist eher nur so dieser Zugriff verloren gegangen? Also ich sag mal die Informationen sind verschüttet und ich könnte die auch wieder rausholen, wenn ich möchte. Beides passiert, wenn wir Dinge selten benutzen oder lange nicht

verwendet haben, können quasi die neuronalen Zufahrtstraßen für andere Informationswege gebraucht werden, sodass wir auf die abgespeicherte Informationen gar nicht mehr zugreifen können. Das andere, was passieren kann, ist, dass wenn wir etwas lernen, werden synaptische Kontakte im Gehirn, also die Kontaktstellen zwischen Nervenzellen verstärkt. Es bilden

sich auch neue Kontakte, es werden sogar neue Nervenzellen gebildet. Wenn wir vergessen, werden diese Kontakte abgeschwächt. Es kann sogar sein, dass die komplett abgebaut werden. Und in der Tat ist es ein akademischer Streit zwischen mir und meinen Kollegen, ob man eigentlich wirklich vergessen kann. Es gibt Kollegen von mir, die sagen, es gibt immer

noch einen Rest an Informationsspeicherungen im Gehirn, selbst wenn wir jahrelang ein etwas bestimmtes nicht gedacht haben. Man kann sich zum Beispiel, man hat die Jahrzehnte ein Lied nicht gehört und hört es dann wieder und kann es mitzummen, obwohl man nicht mal mehr wusste, dass man das Lied überhaupt gekannt hat. Also daran sieht man, es gibt ganz oft noch Spuren, Reste im Gehirn an strukturellen Verbindungen, die reaktiviert werden können,

die aber auf funktioneller Ebene quasi schon auf die Halde des Vergessens geschoben wurden. Es gibt andere Situationen, wo neuronale Verbindungen neu verwendet wurden und damit auch tatsächlich unwiederbringlich verloren sind. Und es gibt eben Situationen, wo die Zufahrtstraßen die neuronalen Verbindungen für andere assoziative

neue Erinnerungen verwendet wurden und damit die alten Erinnerungen nicht mehr abgerufen werden können und damit vergessen sind. Und wenn ich eine neue Information aufnehme, etwas neues lerne, was entscheidet denn darüber, ob ich jetzt diese Information behalte oder schnell auch wieder

vergesse oder nicht mehr so schnell wieder abrufen kann. Was passiert da auf zellulärer Ebene vielleicht? Auch da muss ich zugeben, dass wir uns nicht abschließend in der neue Wissenschaft einig sind. Wir wissen aber, was so Faktoren sind, die das abspeichern und vergessen begünstigen. Zum Beispiel

behält man Dinge umso eher, je größer der emotionale Gehalt ist. Wenn man sich über etwas besonders stark gefreut hat, im positiven Sinne oder wenn

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