Wissenschaft einfach erklärt Wie entsteht eine Sucht im Gehirn und warum werden manche Menschen abhängig, andere aber nicht? Der Suchtforscher Prof. Dr. Rainer Spanagel erklärt, welche Rolle das Belohnungssystem dabei spielt, warum manche Menschen anfälliger für Sucht sind als andere und weshalb es oft noch möglich ist, früh gegenzusteuern. Außerdem geht es um die Frage, welche Pflanzenmilch am nachhaltigsten ist. Produktion: Serdar Deniz Redaktion: Fiona Wink "Aha! Zehn Minuten Alltags-Wissen" ist der Wissenschafts-Podcast von WELT. Wir freuen uns über Feedback an wissen@welt.de. Impress...
Transcript
Automatically generated from the audio. May contain errors.
Sucht gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen überhaupt und trotzdem wird oft noch sehr oberflächlich darüber gesprochen. Das wollen wir heute ändern, denn wir sprechen darüber, was bei einer Sucht im Gehirn passiert, warum manche Menschen abhängig werden und andere nicht und ab wann aus einem Verhalten
überhaupt eine Sucht wird. Und danach geht es um eine ganz andere Frage, nämlich um die Frage, welche Pflanzenmilch am nachhaltigsten ist. Ich bin Fiona Wink, herzlich willkommen bei Aha und schön, dass ihr wieder dabei seid.
Alltagswissen. Ein Podcast von Welt. Wenn wir an eine Sucht denken, dann haben viele wahrscheinlich zuerst Bilder von Alkohol oder harten Drogen im Kopf. Aber die Realität ist deutlich komplexer, denn Suchterkrankungen können ganz unterschiedlich aussehen. Die größte Gruppe machen in Deutschland tatsächlich Raucherinnen und Raucher aus, etwa 11 Millionen Menschen rauchend hierzulande.
Dazu kommen etwa 2 Millionen alkoholabhängige Menschen und danach ca. 1,5 Millionen Menschen, die abhängig von Medikamenten sind. Aber es gibt eben auch noch ganz andere Süchte, zum Beispiel die sogenannten Verhaltenssüchte, also Glücksspiel oder Gaming oder Social Media zum Beispiel.
Und gemeinsam haben all diese Formen von Sucht vor allem eins, nämlich den Verlust von Kontrolle. Also das Gefühl mit einem Verhalten oder mit Konsum eigentlich aufhören zu wollen, aber es irgendwie trotzdem immer wieder zu tun. Und genau darüber spreche ich jetzt mit Professor Rainer Sparnagel.
Er ist Suchtforscher am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim. Hallo Herr Sparnagel, schön, dass Sie da sind. Ja, guten Tag. Herr Sparnagel, wenn wir über Suchtsprechen, was passiert da eigentlich im Gehirn?
Also warum verlieren manche Menschen irgendwann die Kontrolle? Wir haben zwei wichtige Prozesse im Gehirn, wenn man Drogen chronisch einnimmt. einerseits der Prozess, wie die Droge auf das Belohnungssystem wirkt. Das Belohnungssystem ist dazu da, um uns zu motivieren, eigentlich eher zu motivieren, um zu trinken, essen für die natürlichen
Belohnungsaspekte im Leben und nicht für Drogen, aber Drogen haben so letztendlich das Belohnungssystem gekidnet. Also nehmen Sie zum Beispiel ein Raucher, der sieht plötzlich die Zigarette oder riecht den Duft von einem anderen der Rauch. Es kommt ein bestimmter sensorischer Input rein und der ist natürlich schon tausendmal konditioniert mit dem eigentlichen
rauchten, dann löst schon dieser konditionierte Reiz in dem Belohnungssystem so einen Erwartungspiek. Der wird durch Dopamin letztendlich inkodiert. Also die Droge selbst erhöht Dopamin, aber auch Drogen assoziere der Reize erhöhen Dopamin. Gleichzeitig haben wir auch eine Veränderung im präfrontalen Cortex, der präfrontale Cortex, der ist letztendlich dazu da, unser Verhalten
zu hemmen. Das sehen Sie insbesondere bei jüngeren Menschen, insbesondere bei jungen Männern. Da ist der präfrontale Cortex noch nicht so gut ausgeprägt. Bei Mädchen oder jungen Frauen geht es alles schneller, deshalb haben die besseres Kontrollverhalten. Und Dieser preferntale Cortex, der leidet letztendlich unter Drogeneinnahmen, insbesondere bei Alkohol,
haben wir auch eine Schädigung, der ging tatsächlich auch Nervenzellen kaputt im preferntalen Cortex. Und diese wichtige Kontrollinstanz, die wird immer weniger und schlechter. Und das ist natürlich dann gegenüber der Drogeneinnahme von zentraler Bedeutung, weil es wird nicht mehr gebremst. bremst. Sie haben es jetzt ja gerade schon angesprochen. Alkohol und Drogen sind vielleicht
erstmal die ersten Dinge an die man denkt bei einer Sucht. Aber es gibt ja auch noch ganz andere Sichte zum Beispiel, also Social Media oder auch Gaming oder andere Verhaltensmuster. Ab wann wird denn ein Verhalten generell zu einer Sucht? Ich persönlich habe eine ganz einfache Definition. Sobald die Droge oder dieses
spezifische Verhalten letztendlich chefet und sagt was zu tun ist und ich die Kontrolle aus meiner Hand gebe. Also die die Droge diktiert sozusagen mein Leben oder dem Social Media Nutzer diktiert TikTok mit seinen endlosen Wiederholungen und maßgeschneiderten Kurzvideos das was ich immer immer wieder anschauen möchte. Also sprich ich kann eigentlich nicht mehr
mein eigenes Verhalten regulieren, sondern es wird von außen entweder über die Social Media oder über die Droge reguliert. Kann man denn dann sagen, dass Sucht eher so eine Art Krankheit des Gehirns ist oder ist das vielleicht eher auch eine Reaktion auf bestimmte Lebensumstände zum Beispiel? Wir sehen
In sucht als Krankheit des Gehirns, wir untersuchen letztendlich auch zu allen Studien die Gehirnaktivität, molekulare Veränderungen im Gehirn, gerade bei solchen Substanzen wie Alkohol, spielen natürlich auch noch andere Faktoren. Eine Rolle, Leberaktivität, wie wird es verstoffwechselt und so weiter. Klar, wir sagen, es ist eine Gehirnerkrankung.
Die Umgebung oder Lebensumstände die spielen in der Entwicklung der Sucht eine große Rolle und modulieren das auch. Es ist besonders die Lebenshistorie, die davon entscheidender Bedeutung ist. Also, was habe ich denn in meinem Leben
insbesondere an stark aversiven Erleben. Was habe ich da mitbekommen? Es ist besonders gefärtet, wenn sie zum Beispiel in ihrer kindheitsbrühen Jugend, wenn ein Elternteil stirbt, dann ist das ein Lebensumstand in Drang, sie ein Leben lang mit und der predisponiert sie auch tatsächlich mehr mehr verdrogen.
Jetzt gibt es natürlich viele verschiedene Menschen, die zum Beispiel so einen schrecklichen Schicksalsschlag erleben und manche werden abhängig und andere aber nicht, obwohl sie vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Warum ist das so?
Ja, um das klarzustellen, bei allen Drogen gibt es nur einen bestimmten Prozentsatz von Personen, die sagen, regelmäßig diese Droge nehmen, dass sie wirklich abhängig werden. viel mit der Genetik zu tun. Ungefähr 50% als Faustregel, Detaminier unsere
genetische Konstellation, die wir von unseren Eltern mitbekommen, ihr Risiko oder
This is the opening of the episode. Open the player for the full interactive transcript with clickable words, translation and flashcards.
Open full transcriptAudio belongs to its publisher and is played from their feed. Rights holders can request removal — copyright & takedown policy
Episodes · Aha! Zehn Minuten Alltags-Wissen
