
Parodontitis: Wenn das Zahnfleisch zum Risiko für den ganzen Körper wird
Aha! Zehn Minuten Alltags-Wissen
Wissenschaft einfach erklärt Rund 14 Millionen Menschen in Deutschland haben eine schwere Parodontitis. Damit gehört sie zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. Bleibt die Entzündung des Zahnhalteapparats lange unentdeckt, kann das schwerwiegende Folgen für das das Herzkreislaufsystem haben und zum Beispiel auch Diabetes verschlimmern. Wie entsteht Parodontitis, ist sie heilbar und wie stelle ich sicher, dass es erst gar nicht so weit kommt? Das erklärt in dieser Folge von "Aha! Zehn Minuten Alltagswissen" der Zahnarzt und Oralchirurg Dr. Stefan Helka. Danach geht es um eine Superkraft des Kuschelns: Eine Studie zeigt, es kann die Wu...
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Hattet ihr schon mal eine Zahnfleischentzündung? Die meisten von uns, die dürften das kennen, das Zahnfleisch ist gerötet und blutet vielleicht beim Zähneputzen. Das ist meist harmlos und klingt schnell wieder ab.
Aber es kann auch zu einer dauerhaften Entzündung des Zahnbets kommen. Zur sogenannten Parodontitis. Und die kann schwerwiegende Folgen zum Beispiel für unser Herz haben. Was genau bei der Parodontitis passiert und wie sich die Erkrankung vom Mund auf
den ganzen Körper auswirken kann. Das hört ihr in dieser Folge. Danach schauen wir uns an, warum kuscheln die Wundheilung an Kurbelt. Ich bin Sophia Hegelberger, starten wir rein.
Aha! 10 Minuten Alltagswissen. Ein Podcast von Welt. Parodontitis gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen.
Rund 14 Millionen Menschen in Deutschland haben eine schwere Parodontitis. Und das Fiese ist, vielen ist das lange gar nicht bewusst. Denn die Erkrankung des Zahnfleisch bleibt oft relativ lange symptomfrei und streitet aber langsam voran.
In späteren Stadien ist die Parodontitis gefährlich für unser Herz-Kreislaufsystem. Und kann z.B. auch Diabetes verschlimmern. Das Gute ist, wir können dem vorbeugen
und Parodontitis auch gut behandeln. Wie weiß Dr. Stefan Helker? Er ist Zahnarzt und Oral-Schirurg einer Zahnklinik in Herne. Herzlich willkommen, Herr Dr. Heger. Schön, dass Sie heute da sind.
Ja, vielen lieben Dank für die Einladung. Freut mich total. Wir wollen ja heute über Parodontitis sprechen. Das ist ein Begriff, den hat man vielleicht schon mal gehört, aber vielleicht erklären Sie uns noch mal, was genau ist es und was passiert dabei im Mund.
Ja, Parodontitis ist eigentlich so fast die Volkserkrankung Nummer 1. Wir werden später später noch mal sprechen, wie häufig die wirklich ist. Aber es ist am Ende des Tages eine Munderkrankung, und zwar eine, die durch Bakterien verursacht wird. Und bei einer Paradontitis organisieren sich quasi die Bakterien auf dem Zahn, bilden eine Plak, die setzt sich dann
in die Zahnfleischtaschen und was passiert dann? Der Körper merkt das quasi, dass dort Bakterien sind und antwortet mit einer Entzündung. Und diese Entzündung geht dann vom Anfang erst mal über das Zahnfleisch, äußert sich dann in Zahnfleischblut, Rötung, bisschen Schwellung. Und wenn man dann nichts macht, dann greift das auf den Knochen über.
Und dann haben wir das, was wir so landläufig als Paranontitis bezeichnen. Und dann baut sich Pö-Apö der Knochen ab und für dann zu Zahnlockerung, wenn man dann immer noch nichts macht, dann auch zu Zahnverlust. Und das Türkische daran ist, man merkt es nicht, weil es häufig sehr, sehr langsam geht. Es ist häufig chronisch. Und jetzt haben Sie gesagt,
es sind Bakterien aus dem Mund, die ja dann auch in dem Blutkreislauf eindrücken können. Was ist da der Zusammenhang? Genau. Wenn jetzt diese Bakterien wirklich dort sitzen und die Zahnverstaschen werden vor allem
auch tiefer, dann komme ich da mit meiner häustlichen Mundhygiene nicht mehr ran. Und die Bakterien schädigen eben nicht nur den Knochen, sondern auch die Blutgefäße. Und diese Blutgefäße sind dann quasi offen und dann kann es zu einer sogenannten Bakterie im Mie kommen.
Das heißt, die Bakterien gehen dann in den Blutzirklus rein. Und das ist in der Regel gar nicht so schlimm, weil der Körper hat ja auch Abwehrkräfte. Wenn das aber mal nicht der Fall ist oder es wird zu viel oder es sind besonders aggressive Bakterien, dann kann es eben dazu führen, dass diese Bakterien dann an Orte gelangen, an Organe, wo sie dann Schäden verursachen und Entzündungen.
Und das ist dann das, wo man dann sagt, da hat eine Paranotitis auch eine sogenannte systemische Wirkung, also nicht nur lokal am Zahn und im Mund, sondern dann kann es eben auch zu anderen Erkrankungen, die völlig verschiedenster Arten kommen. Da wollte ich gerne noch nachfragen, was das denn für Erkrankungen sein können. Sie haben schon gesagt, man kann den Mundraum nicht gesondert betrachten, sondern es wirkt sich auf den ganzen Körper aus.
Was kann denn alles betroffen sein? Genau, also die Mundhöhe ist eigentlich die Antrittsforte für ganz, ganz vieles in unserer Gesundheit. Und bei der Paranotitis gibt es eigentlich zwei sehr, sehr relevante Bereiche, die wirklich jeden betreffen. Das eine ist das Herzkreislaufsystem.
Das heißt, Paranotitis kann eben dazu führen, dass beispielsweise Bakterien sich bis ins Herz bewegen und dort zum Beispiel eine endokarditis verursachen. Das heißt, die Herz-Innenhaut, da setzen sich die Bakterien dann ran. Ganz besonders oft passiert das an den Herzklappen, weil da ist es nicht so Laminadiströhmung,
sondern da haben die Bakterien ein bisschen mehr Zeit, um sich anzuhäften. Und wenn ich dann auch noch eine künstliche Herzklappe habe, zum Beispiel, kann das zu einer sogenannten Endokaditis führen. Und die ist wirklich ein sehr, sehr schlimmes Ereignis.
Also wenn man dann nichts macht, kann man an sowas zum Beispiel auch sterben oder bleibende Schäden zurückbehalten. Was aber auch passiert durch Paranotitis ist, wenn man jetzt mal ein bisschen weiter runter geht, eine verschnellerte Alterung der Gefäße. Das heißt, Parodontitis kann
arteriosklerose beschleunigen, weil eben diese entzündenden Stoffe, die im Blut quasi dann sind, dazu führen, dass die Gefäße einfach schneller alternen. Und dann haben wir noch einen zweiten großen Bereich, also einmal das eines Herzkreislauf. Das zweite ist dieses Thema zum Beispiel Diabetes. Diabetes
ist eine auch sehr, sehr häufige Erkrankung und Parodontitis und Diabetes stehen quasi in der Wechselwirkung. Das bedeutet, Paradontitis macht Diabetes schlimmer und Diabetes macht Paradontitis schlimmer.
Das bedeutet, dass man wirklich diesen Zyklus dann durchbrechen muss, weil eben die Paradontitis, die Bakterien dazu führen, dass zum Beispiel Insulin nicht mehr so gut wirken kann und dadurch dann eben der Therapieerfolg, also zum Beispiel der Langzeitzuckerwert, dann schlechter ist als wäre, wenn ich eben keine Paradontitis hätte.
Ja, spannend. Also absolut keine Lappalia, die Paradontitis.
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